Was Sterben bedeutet

Sterben ist die Zeit am Ende eines Lebens, die den Übergang zum Tod darstellt. Es ist sehr schwierig, die Grenze zwischen Sterben und Tod genau zu definieren.  Während der eingetretene Tod des Menschen heute aus medizinischer Sicht relativ klar definierbar ist (z.B. als Hirntod und unumkehrbares Erlöschen des  irdischen Lebens), werden unter dem Vorgang des Sterbens – je nach Kulturkreis und Weltanschauung – verschiedene Zeitrahmen und Zustände verstanden, oder vielfach verdrängt. Daher ist auch der Umgang mit dem Thema und mit Sterbenden äußerst verschieden.

Wenn jemand “im Sterben liegt”, kann dies die einen persönlich aufrütteln oder zum letzten Besuch veranlassen, während andere genau das lieber meiden. Wenn der Tod eingetreten ist, nehmen diese Unterschiede im Verhalten etwas ab, sind aber bei der Art von Begräbnissen oder den Formen der Trauer dennoch deutlich sicht- und spürbar.

In der westlichen Kultur hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte der Umgang mit dem Thema “Sterben” in Wort, Denken, sozialem Verhalten und auch in der Kunst stark zum negativen verändert. Was früher (auch durch den stärkeren Einfluss der Kirchen bedingt) Anlass zum Nachdenken war – aber auch manchmal zur persönlichen “Umkehr” – ist heute leider vornehmlich ein Thema der Medizin und der Spitäler geworden.

Dass Sterben und Tod unmittelbar zum Leben gehören, ist vielen erst durch die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross bewusst geworden. Die “Interviews mit Sterbenden” wurden quasi zur Gründungsurkunde der weltweiten Hospizbewegung, die ein “menschlicheres” Sterben als üblich ermöglichen will. Dabei spielt nicht nur die Umgebung und ihre emotionale Anteilnahme eine Rolle, sondern auch die Ermöglichung von Gesprächen lange Zeit vorher sowie Begleitung und Körperkontakt bis zuletzt.

Einen sterbenden Menschen in den Tod zu begleiten, ist eine seltene und sehr wertvolle Erfahrung.

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