Das Phänomen

Nachtodkontakte hat es schon immer gegeben, zu jeder Zeit und in jeder Kultur auf der ganzen Welt. Sie sind keineswegs Relikte früherer, unaufgeklärter Zeiten. Begegnungen mit Verstorbenen ereignen sich tagtäglich mitten unter uns: an jedem Ort und zu jeder Zeit. Sie können sogar noch viele Jahre nach dem Tod eines Angehörigen plötzlich und unerwartet auftreten.
Eine erst unlängst in Amerika durch-geführte Studie belegt, dass mehr als die Hälfte aller Amerikaner an die Existenz von Geistern glauben und bereits Begegnungen mit Verstorbenen erlebt haben. Für Europa können wir ebenfalls davon ausgehen, dass weit über die Hälfte der Bevölkerung im Umfeld des Todes von Angehörigen spontane Erfahrungen mit Verstorbenen gemacht hat. Berichte aus alle Welt und allen Kulturen belegen, dass es besonders im Todesmoment eines Angehörigen zu solche spontanen Phänomenen kommt. Verstorbene verabschieden sich meistens genau dann, wenn die Seele den Körper endgültig verlässt. Unlängst erzählte mir die Freundin einer verwaisten Mutter in einem Seminar:

»Miriam wachte nachts gegen 4.00 Uhr auf. Eine sonderbare Unruhe erfüllte sie, und sie musste immer wieder an ihre 13-jährige Tochter Nana denken, die sich im Endstadium einer Leukämie im Krankenhaus befand. Schon seit Tagen kündigte sich ihr Tod an, doch weil Miriam so erschöpft war, blieb sie diese Nacht zu Hause. Plötzlich spürte sie die Gegenwart ihrer Tochter und sah einen Lichtkegel, in welchem sie Nana erblickte. Ein kurzes Lächeln, ein Winken mit der Hand, und schon war der Augenblick der Erscheinung vorbei. Hatte sie sich das alles nur eingebildet? Voll von Zweifeln und Angst über das Erlebte rief sie die Nachtschwester im Krankenhaus an. Diese teilte ihr mit, dass sie soeben den Arzt angerufen habe, da Nana um vier Uhr gestorben sei.«

Derartige Phänomene werden immer wieder berichtet. So bleiben im Augenblick des Todes Uhren stehen, die Gegenwart des soeben Verstorbenen wird gespürt, oder der Sterbende erscheint gar, Bilder fallen von der Wand, Gegenstände werden auf unerklärliche Weise bewegt und so weiter. Oft verabschiedet sich ein soeben Gestorbener, indem seine Seele förmlich durch das Herz des Angehörigen geht.
Eines des faszinierendsten Erlebnisse, die in den letzten Jahren zunehmend geschildert werden, ist das so genannte Mitsterben von Angehörigen. Das bedeutet, dass Angehörige zeitgleich den Übergang eines geliebten Menschen im außerkörperlichen Zustand miterleben. Sie befinden sich außerhalb des Körpers und begleiten den Verstorbenen, wie in einem Nahtoderlebnis, auf seinem Weg in die geistige Welt. Die Sterbeforschung bezeichnet derartige Erlebnisse als empathische Todeserlebnisse.

Eine Frau schrieb mir: »Meine Tante litt an Knochenkrebs und wusste, dass sie bald sterben wird. Wir verabschiedeten uns und wussten, dass wir uns erst in der anderen Welt wieder sehen werden. Am Tag ihres Todes war ich zu Hause in Osnabrück. Meine Mutter rief mich mittags an und sagte, dass es meiner Tante nicht so gut gehe. Ich ahnte es bereits, da ich den ganzen Tag aufgewühlt und traurig war. Abends gegen 18.15 Uhr ging ich wie automatisiert in die Küche und befand mich in einer Art meditativem Zustand. Im Geiste war ich plötzlich bei meiner Tante im Zimmer. Meine Oma, die schon früher verstorben war, war bei ihr. Sie wiegte meine Tante sanft in ihren Armen und wollte sie abholen. Ich sah auch meinen noch lebenden Onkel an ihrem Sterbebett sitzen, der viel weinte und traurig war. Meine Tante schlief dann friedlich ein. Die Szene verblasste, und ich kam in der Küche wieder zu mir. Es war 18.30 Uhr. Eine Stunde später rief meine Mutter an, um mir mitzuteilen, dass meine Tante vor einer Stunde friedlich im Beisein meines Onkels eingeschlafen sei.«

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